Neun niederländische Gral-Achtzigerinnen trafen sich mit deutschen Gral-Frauen zu einem besonders schönen Wochenende, 21.-23.Februar 2020, in Heppenheim

Chris de Leeuw (94), eine der Teilnehmerinnen, berichtet:

In einem geräumigen schwarzen Bus mit einem hilfsbereiten Chauffeur wurde jede von uns zu Hause abgeholt und Sonntagabend wieder sicher nach Hause gebracht. Wir wurden wirklich verwöhnt. Es war eine lange Reise! Etwa 10 – 11 Stunden waren wir unterwegs, je nachdem wer zuerst und wer zuletzt ausstieg. Das bischöfliche Bildungszentrum „Haus am Maiberg“ war ein vorzügliches Haus für uns.

Nach einem herzlichen Empfang war das erste, was ich auf dem Graltisch mit Lesefutter sah, eine kleine Schrift „Der Synodale Weg“, den die Bischöfe und Laien gemeinsam gehen wollen, um die Probleme und Spannungen in ihrer Kirche zu lösen versuchen. Wäre das doch auch in den Niederlanden möglich! Die Zeichnungen in dieser Schrift deuten die Atmosphäre an:

Wir hatten vorher die Enzyklika des Papstes „Gaudete et exultatate“ als Thema des Wochenendes abgesprochen. Die Münchner Gralgruppe hatte dies sorgfältig vorbereitet. Christa Werner betonte,

dass es nicht nur um dieses Thema ging, sondern vor allem um die Begegnung miteinander. Das geschah dann auch vor allem in den kleinen Gesprächsgruppen und beim Essen; eigentlich hätten wir dafür mehr Zeit gebraucht.

Zufällig waren es drei Maria‘s, die die einzelnen Kapitel klar zusammenfassten: Maria Bauernfeind,

Maria Kaiml und Maria Schwab.

Ich versuche einige Ideen herauszugreifen:

  • Der Papst nennt verschiedene konkrete Beispiele aus dem täglichen Leben, die zur Heiligkeit führen, die einzelne Menschen tun können z.B. ihren Nächsten im Beruf als Arzt, Haushilfe oder auf andere Weise beistehen, oder politisch durch die Arbeit an neuen Strukturen, abhängig von den eigenen Talenten und Möglichkeiten. Eigentlich geht es darum die gewöhnliche alltägliche Arbeit mit Liebe zu tun. Der Papst nennt dies „die Mittelklasse der Heiligkeit“.
  • „Wer alles deutlich und sicher haben will setzt voraus, die Transzendenz Gottes zu beherrschen“. Dabei wissen wir nicht, wer Gott ist und auch nicht wer Gott nicht ist.
  • Wir müssen nicht alles selbst machen, nicht vollkommen sein in dem was wir tun: es ist nicht mein Wille, meine Kraft, sondern Gnade, aber dann daran mitwirken.
  • Immer wieder wurde die Notwendigkeit von Gemeinschaft betont, um Gott im eigenen Leben wahr werden zu lassen, um sich nicht zu verlieren in einem selbst erdachten Gott.
  • Viele von uns hatten eine Aversion gegenüber dem Wort „heilig“. Wenn man ein Kind fragt, was heilig sein ist, dann wird es vermutlich sagen “das musst du so machen“ und die Hände falten und seinen Kopf schief halten. Wenn wir uns alle die Heiligen in unseren Kirchen ansehen, dann geht von ihnen etwas für uns normale Menschen Unerreichbares aus. Der Vorschlag, statt von ‚heilig‘ von „ganz“ oder „ganzheitlich“ zu sprechen, entsprach unseren Vorstellungen sehr. Für mich war es eine gemischte Erfahrung, ein sowohl als auch: einerseits „ja, das hab ich schon mal gehört“ und andererseits „gut, noch einmal darüber nachzudenken“ – ich vermute, dass mehrere einen Moment des Erinnerns hatten. Die Deutschen haben ein treffendes Sprichwort, nachdem man nicht alles zu ernst nehmen soll, sondern mit Humor: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt!“

Was ich vor allem noch berichten möchte, ist dass unsere Reise zufällig auf das Karnevals-Wochenende fiel – eine fröhliche Zugabe! Samstagabend erschienen Maria Schwab und Gerda Kaufmann im Narrenkostüm im geschmückten Festraum. Wir konnten ihre Büttenreden anhören, in denen auf lustige Weise die deutsche Gralgeschichte und andere Geschichten zur Sprache kamen. Dabei konnten wir eine herrliche Früchte-Bowle – mit oder ohne Alkohol genießen. Am nächsten Morgen gingen wir in den Heppenheimer Dom zum Gottesdienst, wo die meisten Menschen mit Hütchen oder anderen Karnevals-Dekorationen kamen. Die Orgel und der ökumenische Posaunenchor begleiteten die „Eucharistiefeier mit den Elferräten der Heppenheimer Narrenschar.“ Es war schon eine Erfahrung neben dem Lied „Lobe den Herren“ das beliebte Karnevalslied zu singen: „Heile, heile Gänsje, es ist bald wieder gut, es Kätzje hat e Schwänzje. Heile, heile Mausespeck, in hunnert Jahr is alles weg.“

Dies ist im Dialekt ebenso wie die gereimte Predigt, halb ernst halb karnevalistisch – immer wieder unterbrochen durch einen karnevalistischen Alaaf-Tusch, wozu dann alle klatschten so z.B. bei dem

Satz über Liebe auch zu den Feinden, „und dann denke ich nicht nur Trump oder Putin, sondern auch an deine Schwiegermutter.“ Lauter Applaus! Zufällig ging es in der Predigt insbesondere über die Liebe und heiliges Leben – ein uns ja sehr bekanntes Terrain!

Wegen all der Festlichkeiten blieb keine Zeit mehr für eine Auswertung und Zukunftsplanung mit den Niederländerinnen. – ein sehr guter Grund dies gute und sinnvolle Wochenende noch einmal zu wiederholen.